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Auricher Dorfgeschichten

Bis in die 1920er Jahre bestritten die Familien in den ländlichen Gemeinden ihren Lebensunterhalt überwiegend mit der Landwirtschaft. So auch in der Kreuzbachgemeinde Aurich, wo das tägliche Brot hauptsachlich aus den Erträgen der Äcker, Wiesen und Weinberge erwirtschaftet wurde. Den Landwirten war es ein besonderes Anliegen, jeweils vor der Getreideernte in einem Erntebitt-Gottesdienst den Herrgott um gutes Erntewetter, Schutz vor Hagel und starken Niederschlägen zu bitten. Als ein Auricher Landwirt sich beim Singen in der Dorfkirche besonders hervortat, stupfte ihn sein Nachbar auf der Kirchenbank mit dem Ellenbogen in die Seite und raunte ihm zu: "Du mit deim bissle Gruschd brauch'sch koi so a lauds Geschrei verführe!"

Der Organist der Auricher Kirche bemerkte am Sonntag beim Orgelvorspiel zum Gottesdienst, dass einige Bauern auf der Empore nicht mit der gebotenen Andacht zuhörten, sondern sich lebhaft gestikulierend unterhielten. Schlagartig hörte der Organist auf zu spielen; die diskussionsfreudigen Bauern bemerkten dies aber nicht, so dass es von der Empore ins Kirchenschiff hallte: "Awer der oine, der had a kromm's Horn". Ja, so war's, die Auricher Bauern betrieben in der Kirche einen Ochsenhandel.

Ein älteres Ehepaar ging zum Sonntagsgottesdienst in die Auricher Dorfkirche. Die Frau hatte ein eigenes Sitzkissen dabei, weil ihr die Kirchenbank im Winter zu kalt und bei der Dauer der Predigt zu hart, zu unbequem war. Wie es so Brauch ist beim Gottesdienst, verrichtete die Frau stehend ein stilles Gebet. Der Mann setzte sich hingegen gleich, und weil die Kirchenbank so kalt war, nahm er schnell das Kissen seiner Frau und setzte sich darauf. Als sie dies bemerkte, sagte sie zu ihm: "Du musch au no betta"; er stand auf und sie war sich ihres Kissen wieder sicher.

Vor langer Zeit gab der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr in Aurich sein Amt krankheitshalber auf bzw. ab. Der neugewählte Feuerwehrboss musste jedoch zunächst erst einmal die obligatorischen Kommandobegriffe lernen, denn zu dieser Zeit wurde die Feuerwehr noch fast mit militärischer Disziplin und Ordnung geführt. "Stillgestanden" - "Augen gerade aus" - "Rechts um" - "Im Gleichschritt marsch" - "Rührt euch" - "Kehrt um" - "Wegtreten" u.v.m., so etwa schallte es am Sonntagvormittag bei der Übung über den Rathausplatz. Der neue Kommandant hatte anfänglich seine Schwierigkeiten mit den verschiedenen Befehlen. So soll er einmal den Befehl: "Rührt euch" vergessen haben, und er rief in seiner Verzweiflung: "Feuerwehr, werdet lommelich!" Als er dann nach der Übung die Mannschaft offiziell abtreten lassen wollte, gab er den. Befehl: "Feuerwehrkameraden, andersch rumm, dr Arsch geges Rathaus".

Autor: Albrecht Müller